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Oracle Forms nach APEX modernisieren: Warum Automatisierung und KI nur begrenzt helfen

  • vor 6 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit
Michael Kilimann, Geschäftsführer der Der IT-Macher GmbH, zum Thema Oracle Forms nach APEX modernisieren – warum Automatisierung und KI nicht reichen.


Oracle Forms-Anwendungen sind in vielen Unternehmen seit Jahrzehnten im Einsatz. Über die Jahre wurden sie immer wieder an neue Geschäftsanforderungen angepasst.

Heute stellt sich für viele Unternehmen die Frage: Wie lassen sich diese Anwendungen sinnvoll modernisieren, ohne bestehende Prozesse und wertvolles Know-how zu verlieren?


Im Interview erklärt Michael Kilimann, Geschäftsführer der Der IT-Macher GmbH, warum er eine weitgehend automatisierte Migration von Oracle Forms nach Oracle APEX sowie den Einsatz von KI bei der Ablösung komplexer Anwendungen kritisch sieht und welches Vorgehen er stattdessen empfiehlt.


Viele Oracle Forms-Anwendungen sind bereits seit Jahrzehnten im Einsatz. Warum wird ihre Modernisierung heute zunehmend zum Thema?

Oracle Forms-Anwendungen sind oft über 30 Jahre alt. Bei den allermeisten Anwendungen handelt es sich um Individuallösungen, die von den Kunden über viele Jahre an ihre sich verändernden Geschäftsanforderungen angepasst wurden.

Viele Kunden sehen Oracle Forms bereits seit über einem Jahrzehnt als nicht mehr modern an. Ein häufiger Grund dafür ist die nicht mehr zeitgemäße Oberfläche. Auch die in der Vergangenheit teilweise unklare Kommunikation zur langfristigen Release-Planung von Oracle Forms hat dazu beigetragen.


Oracle APEX gilt für viele Unternehmen inzwischen als mögliche Entwicklungsalternative für Oracle Forms. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Oracle APEX hat sich für viele Kunden als Alternative zu Forms etabliert und wird häufig für eine Ablösung bestehender Anwendungen präferiert.

Gleichzeitig werden Kunden mit Angeboten konfrontiert, die eine hochautomatisierte Migration von Forms nach APEX oder sogar eine automatisierte Migration durch den Einsatz von KI versprechen. Solche Versprechen sehe ich kritisch.


Warum funktioniert eine weitgehend automatisierte 1:1-Migration aus Ihrer Sicht nicht?

Dafür gibt es mehrere Gründe.

Die Softwarefunktionen wurden über die Jahre häufig geändert und angepasst. Eine reine 1:1-Migration des vorhandenen PL/SQL-Codes ist deshalb in vielen Fällen nicht sinnvoll. Zudem befindet sich der Sourcecode bei manchen Kunden noch direkt in den Forms-Programmen und nicht in der Oracle-Datenbank.

Programmfunktionen können sicherlich teilweise wiederverwendet werden. Ob und in welcher Form das sinnvoll ist, muss jedoch zunächst ein erfahrener Entwickler beurteilen.

Hinzu kommt die Benutzeroberfläche. Eine Forms-Maske mit 30 oder mehr Feldern sollte nicht einfach 1:1 nach APEX übertragen werden. Werden Felder neu strukturiert oder auf mehrere Masken verteilt, verändert sich häufig auch der Bearbeitungsprozess.

Denn welchen Mehrwert hätte die Modernisierung, wenn die neuen APEX-Anwendungen am Ende genauso überfrachtet aussehen wie die alten Forms-Programme?


Geht es bei einer Modernisierung also um mehr als den reinen Wechsel der Technologie?

Ja. Ich gehe davon aus, dass auch in zehn Jahren noch Tausende Forms-Anwendungen im Einsatz sein werden.

Bei einer Migration sollte zunächst geprüft werden, ob das vorhandene Datenmodell überhaupt für ein Redesign geeignet ist, die zukünftigen Anforderungen unterstützt und nicht zur Basis für neuen Spaghetti-Code wird.

Auch eine 1:1-Übernahme der bestehenden Logik oder Programme ist häufig nicht sinnvoll. Die Anforderungen an die Anwendung haben sich über die Jahre verändert. Die bestehenden Forms-Programme beschreiben deshalb nicht zwangsläufig den Zustand, den der Kunde künftig in seiner Software sehen möchte.

Es geht darum, Mehrwerte zu schaffen, Bewährtes zu erhalten und sinnvoll um Neues zu ergänzen – nicht nur um einen Technologiewechsel.


Welche Grenzen sehen Sie speziell beim Einsatz von KI?

KI kann die Programmierung und Migration von Oracle Forms nach APEX sinnvoll unterstützen. Bei komplexen Anwendungen, wie sie im Oracle-Forms-Umfeld häufig vorkommen, stößt sie jedoch an Grenzen.

KI kann beispielsweise Dead Code analysieren. Sie weiß aber nicht automatisch, welche Programme im Unternehmen tatsächlich noch genutzt oder zukünftig benötigt werden.

Sich zu 100 % auf Aussagen der KI zu verlassen, halte ich deshalb derzeit nicht für sinnvoll. Ergebnisse müssen überprüft und fachlich eingeordnet werden.

Entscheidend ist außerdem, dass der Sourcecode verstanden wird und langfristig wartbar bleibt. Auch der Testaufwand bei KI-generiertem Code ist heute noch erheblich.

KI sinnvoll einzusetzen, wird zukünftig selbstverständlich dazugehören. Unternehmen sollten sich dabei jedoch nicht von unrealistischen Automatisierungsversprechen leiten lassen.


Was empfehlen Sie Unternehmen stattdessen, wenn sie ihre Oracle Forms-Anwendungen modernisieren möchten?

Zunächst sollte ein gutes Team aufgebaut werden: aus Kennern der bestehenden Applikationen und Oracle Forms sowie aus Softwareentwicklern für die neue APEX-Anwendung.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die sorgfältige Analyse der Altanwendung. Dabei sollte insbesondere das bestehende Datenmodell im Hinblick auf die zukünftigen Anforderungen betrachtet werden.


Worauf sollten sich Unternehmen beim Projektverlauf einstellen?

Unternehmen sollten rechtzeitig mit der Modernisierung beginnen und sich darauf einstellen, dass alte und neue Anwendungen für eine gewisse Zeit parallel bestehen werden.

Diese Koexistenz bedeutet zwar eine längere Projektdauer, schafft aber die Voraussetzung für einen kontrollierten und risikoarmen Umstieg.

Im Projekt sollte außerdem akzeptiert werden, dass Teile der Altanwendung neu entwickelt werden müssen, während andere sinnvoll migriert oder wiederverwendet werden können. Ein Mix ist hier oft der beste Weg.

Sinnvoll ist es, dort zu beginnen, wo sich schnell konkrete Mehrwerte für das Unternehmen erzielen lassen. Gleichzeitig sollte das Projektteam früh Erfahrungen sammeln, denn solche Modernisierungsprojekte gehören für die meisten Unternehmen nicht zum Tagesgeschäft.

Aufwandsabschätzungen sollten regelmäßig überprüft werden, damit das Projekt auch kaufmännisch abgesichert bleibt.

Auch moderne Entwicklungsmethoden wie Scrum sollten gezielt eingesetzt werden und nicht selbst zum Kostentreiber werden. Entscheidungen sollten getroffen und anschließend konsequent umgesetzt werden, anstatt Anforderungen fortlaufend grundlegend zu verändern.

Ebenso wichtig ist es, das Know-how der bestehenden Forms-Entwickler mitzunehmen und diese Personen möglichst aktiv in die Modernisierung einzubinden.

Denn wer dieses Wissen verliert, sucht später möglicherweise lange nach Dokumentationen, Hintergründen zu bestehenden Funktionen oder belastbaren Spezifikationen für die neuen Anforderungen.


Eine erfolgreiche Forms-Modernisierung ist deshalb weniger eine Frage der automatischen Konvertierung als vielmehr eine Kombination aus Erfahrung, Analyse, Technologie und einem strukturierten Vorgehen.


Wir tauschen uns gerne mit Ihnen zu unseren Erfahrungen aus zahlreichen Modernisierungsprojekten aus und stellen Ihnen unser bewährtes Vorgehen Forms2APEX inklusive unserer Projektplanung vor.



 

 


 

 
 
 

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